Kultur im Kloster.

Das Programm 2026.

Literatur, Musik, Kunst und Begegnung - mitten in Mistelbach.

Historischer Rundgang

Wer vom Zentrum Mistelbachs zum Marienplatz und weiter auf den Kirchenberg geht, begegnet der Geschichte der Stadt auf wenigen Schritten. Hier stehen Gebäude aus unterschiedlichen Jahrhunderten dicht beieinander: die spätgotische Stadtpfarrkirche, ein romanischer Karner, das Benefiziatenhaus und das ehemalige Barnabitenkolleg. Zusammen erzählen sie von Glauben und Bildung, von Kunst und vom Alltag der Menschen, die diesen Ort geprägt haben. Heute kommen Musik, Theater, Literatur und Begegnung hinzu. Begleiten Sie uns auf einem historischen Rundgang durchs Kultur-Quartier-Kloster!

Die Barnabiten und ihr Kolleg

 

 

 

 

 

 

 

Am Fuß des Kirchenbergs entstand ab etwa 1687 das Barnabitenkolleg. Der Orden der Barnabiten prägte über lange Zeit die kirchliche und geistige Geschichte des Ortes. Das weitläufige Gebäude mit seinen vier Flügeln und dem Innenhof zeigt, welchen Stellenwert das Kolleg einst hatte. Es war ein Ort des Ordenslebens, der Seelsorge, der Verwaltung und der Bildung. Von außen wirkt die Anlage ruhig und geschlossen. Im Inneren aber entfaltet sich ein bemerkenswerter künstlerischer Reichtum. Die ehemalige Grundstube, heute Sitz der Pfarrkanzlei, besitzt ein Deckengemälde von Ferdinand Kainz aus dem Jahr 1750. Seine Bildwelt führt von den Wissenschaften zur Erkenntnis der Wahrheit. Auch die Kapelle mit ihrem Stuck und ihren Deckengemälden zählt zu den kostbaren Räumen des Hauses.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der vielleicht eindrucksvollste Raum ist die barocke Bibliothek im Obergeschoss. Holzvertäfelungen, Arbeitspulte und das große Deckenfresko von Franz Anton Maulbertsch und seinen Mitarbeitern aus dem Jahr 1760 machen sie zu einem besonderen Zeugnis der Bildungs- und Kunstgeschichte. Über dem Eingang begrüßt ein alter Sinnspruch den Besucher mit einem Rätsel über Bücher und Wissen: In der Bibliothek können die Stimmen vergangener Generationen wieder gehört werden. Dieser Gedanke hat bis heute nichts von seiner Kraft verloren.

Der Innenhof des ehemaligen Barnabitenklosters Mistelbach bildet einen der atmosphärisch stärksten Orte des gesamten Klosterensembles. Architektonisch ist das Gebäude als zweigeschoßige Vierflügelanlage mit quadratischem Innenhof beschrieben; diese klare, geschlossene Bauform ist typisch für klösterliche und kollegiale Anlagen der Frühen Neuzeit, weil sie Sammlung, Ordnung und Gemeinschaft räumlich erfahrbar macht. Das ehemalige Barnabitenkolleg wurde zwischen 1687 und 1700 errichtet und prägt bis heute den Bereich am Marienplatz und am Fuß des Kirchbergs.

 

 

 

 

 

Der Hof ist dabei nicht bloß ein Durchgangsraum, sondern das räumliche Zentrum des Klosters. Die umliegenden Trakte fassen ihn wie ein ruhiger Rahmen ein; dadurch entsteht ein geschützter, beinahe kontemplativer Ort mitten in der Stadt. Gerade dieser Gegensatz macht seinen Reiz aus: außen das städtische Leben Mistelbachs, innen ein historischer Freiraum, der Ruhe, Konzentration und Begegnung ermöglicht. Für das Kultur-Quartier Kloster gewinnt dieser Innenhof eine neue Bedeutung. Denn er bietet Veranstaltungen wie Konzerten, Lesungen, Theater oder sommerlichen Festen eine ganz besondere Atmosphäre, die man spürt, sobald man/frau ihn betritt.

 

 

 

 

 

 

 

Damit verbindet der Innenhof zwei Funktionen: Er ist einerseits architektonisches Zeugnis der barocken Klosteranlage, andererseits ein offener Ort für heutige Kultur. Die historische Vierflügelanlage schafft einen geschützten Rahmen, der Gemeinschaft fördert; das Kulturprogramm füllt diesen Rahmen neu mit Leben. So wird der Innenhof zu einem Symbol für das Anliegen des Kultur-Quartiers Kloster: Vergangenheit und Zukunft sollen nicht getrennt voneinander bestehen, sondern miteinander in Beziehung treten. Die historische Architektur wird nicht museal abgeschlossen, sondern als lebendige Bühne für Mistelbach neu erfahrbar gemacht.

Der Kirchenberg: Kulturgut & Naturjuwel

 

 

 

 

 

 

 

Schon von Weitem ist die Stadtpfarrkirche auf dem Kirchenberg zu sehen. Ihre Lage macht sie zum Wahrzeichen Mistelbachs und gibt dem Platz vor der Kirche seinen besonderen Charakter. Wer hier steht, blickt auf ein Ensemble, das über Jahrhunderte gewachsen ist. Der Kirchenberg verbindet die mittelalterlichen Anfänge des kirchlichen Zentrums mit dem Mistelbach von heute. Besonders deutlich wird diese lange Geschichte am romanischen Karner aus der Zeit um 1200. Das kleine Bauwerk, auch Katharinenkapelle genannt, gehört zu den ältesten Zeugen des Kirchenareals. Über seinem Eingang zeigt ein steinernes Relief einen Menschen in der Gewalt zweier Drachen. Das Bild erinnert daran, wie eng Glauben, Tod und Hoffnung im mittelalterlichen Leben verbunden waren.

St. Martin: Gotik über der Stadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die heutige Stadtpfarrkirche wurde im späten 15. Jahrhundert, etwa zwischen 1480 und 1500, als dreischiffige gotische Hallenkirche errichtet. Sie ist dem heiligen Martin geweiht. Ihre hohen Räume und Gewölbe lassen die Baukunst dieser Zeit noch immer unmittelbar erleben. Im Inneren begegnet man zugleich einer späteren Epoche: Die Ausstattung ist überwiegend barock. So erzählt schon der Kirchenraum selbst von Veränderung und Weiterentwicklung. Zu seinen besonderen Kunstwerken zählt eine gotische Madonna aus Sandstein, die um 1410 entstanden ist und damit älter ist als der heutige Kirchenbau. Auch eine kleine steinerne Kröte an der Außenseite der Kirche hat ihren Platz in der örtlichen Überlieferung gefunden: Um sie rankt sich die Sage von der „verwunschenen Kröte“. Große Kunst und kleine Entdeckungen liegen hier nahe beieinande. Die Kirche ist bis heute ein Ort des Gottesdienstes und des Gemeindelebens. Zugleich prägt sie die Identität Mistelbachs: Viele Wegedurch die Stadt führen auf sie zu, und vom Kirchenberg öffnet sich der Blick wieder hinaus über die Dächer.

Das Benefiziatenhaus: ein Stück Mistelbach von 1503

 

 

 

 

 

In der Barnabitenstraße steht ein Haus, an dem man leicht vorbeigehen könnte – und das doch eine besondere Geschichte bewahrt. Das Benefiziatenhaus aus dem Jahr 1503 gilt als das älteste Gebäude Mistelbachs. Es diente einst als Wohnhaus des St.-Johannes-Benefiziaten, eines Geistlichen, dessen Aufgabe mit einer kirchlichen Stiftung verbunden war. Besonders sehenswert ist die gotische Steineinfassung seiner Eingangstür. Sie macht sichtbar, dass die Geschichte des Viertels keineswegs erst mit dem barocken Kolleg begann. Das Haus ergänzt die große Pfarrkirche um eine andere Perspektive: die Geschichte des Wohnens und Arbeitens unmittelbar am Kirchenberg.

Ein historisches Ensemble mit Zukunft

 

 

 

 

 

 

 

 

Kirche, Karner, Benefiziatenhaus und Barnabitenkolleg entstanden nicht zur selben Zeit und erfüllten unterschiedliche Aufgaben. Gerade darin liegt der Reiz dieses Ortes. Der romanische Karner erinnert an das Mittelalter, die gotische Kirche und das Benefiziatenhaus an eine wachsende Gemeinde, das barocke Kolleg an eine Zeit, in der Kunst und Bildung sichtbar Raum bekamen. Das Kultur-Quartier Kloster führt diese Geschichte weiter. In der Bibliothek, im Innenhof, im Kreuzgang, in den Kellerräumen und auf dem Kirchenberg werden historische Orte wieder zu Orten der Begegnung. Wer hier eine Lesung besucht, Musik hört oder einfach einen Moment verweilt, erlebt ein Stück Mistelbach, das weiterlebt.

 

 

 

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