
Mit den erstmals von 13. bis 15. November 2026 stattfindenden Zeitgeschichte-Tagen Mistelbach schafft der Verein Kultur-Quartier Kloster eine neue regionale Plattform für Erinnerungskultur, historische Bildung und demokratische Auseinandersetzung.
Dokumentarfilme von Simon Wieland & Andreas Kuba, Gespräche mit regionalen ZeitzeugInnen, Vorträge über Kriegskinder, Traumata, ein Theaterstück über Bertha von Suttner und eigene Schulveranstaltungen verbinden wissenschaftlich fundierte Zeitgeschichte mit persönlichen und künstlerischen Zugängen.
Im Zentrum stehen Nationalsozialismus und Konzentrationslager, Krieg und Kriegsende im Weinviertel, die sowjetische Besatzungszeit, Flucht und Vertreibung sowie die langfristigen Folgen von Kriegserfahrungen und Traumatisierungen.
Vier ausgezeichnete Dokumentarfilme von Simon Wieland und Andreas Kuba bilden gemeinsam mit moderierten Gesprächen wesentliche Ankerpunkte des Programms.
„Heil Hitler – Die Russen kommen!“ richtet den Blick auf Menschen aus dem Weinviertel und ihre Erinnerungen an die Jahre 1938 bis 1945 sowie an Kriegsende und Besatzungszeit.
„Mauthausen – Zwei Leben“ erzählt die Geschichte von Stanisław Leszczyński, der als Häftling in Mauthausen war, und Franz Hackl, der als junger Lehrling in der Schlosserei des Lagers arbeitete. Die Gegenüberstellung zweier Lebenswege eröffnet insbesondere für Jugendliche Fragen zu Handlungsspielräumen, Verantwortung und Erinnerung.
„Němci ven! Deutsche raus!“ thematisiert den Brünner Todesmarsch und die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Für Mistelbach besitzt der Film einen unmittelbaren regionalen Bezug und ermöglicht eine differenzierte Auseinandersetzung mit Erinnerung, Opfererfahrungen und den Folgen von Nationalismus und Krieg.
„Killing Nazis – Die Geschichte eines echten Inglourious Basterd“ folgt der außergewöhnlichen Biografie von Chaim Miller und eröffnet ein Gespräch über Verfolgung, Widerstand, Rache, Recht und die moralischen Grenzfragen extremer Gewalterfahrungen.
Ein szenisches Biopic über Bertha von Suttner mit Michaela Ehrenstein erweitert die historische Perspektive um Friedensarbeit und Zivilcourage: Mit Michaela Ehrensteins szenischer Auseinandersetzung mit Bertha von Suttner erhält das Programm eine bewusst zukunftsgerichtete Friedensperspektive. Die österreichische Schriftstellerin, Pazifistin und Friedensnobelpreisträgerin steht für den frühen Kampf gegen Militarismus, Nationalismus und Krieg. Das Theaterformat bildet damit keine historische Nebenlinie, sondern einen programmatischen Gegenpol zu den Erfahrungen von Diktatur, Verfolgung, Krieg und Vertreibung: Aus der Auseinandersetzung mit Gewaltgeschichte wird die Frage nach Friedensfähigkeit, Zivilcourage und persönlichem Engagement.
Besonderes Gewicht liegt auf der Begegnung mit Schüler:innen. Ziel ist es, Erinnerung nicht zu musealisieren, sondern aus Geschichte Verantwortung für Frieden, Demokratie, Menschenrechte und gegenseitige Toleranz abzuleiten.
Das genaue Programm folgt im Herbst!